Das Medical Team

Sanitätsdienst an Bord des Zerstörer LÜTJENS

 

Wer kennt die Situation nicht: Man ist auf Reisen, hat an alles gedacht, nur die Reiseapotheke blieb daheim. Auch läßt sich die Mitnahme des Hausarztes in das gewählte Urlaubsgebiet nur in den seltensten Fällen realisieren. 
An Bord der Lütjens gibt es für alle medizinischen Eventualitäten das „Medical-Team“. Es stellt die ideale Kombination aus Hausarzt, Rettungsdienst, Krankenhaus, Apotheke und Kummerkasten dar.
Der Schiffsarzt leitet diesen Abschnitt. In der Regel ist dies ein Arzt der Allgemeinmedizin. 
Ihm zur Seite steht ein Portepeeunteroffizier, der Sanitätsmeister. 
In Zusammenarbeit mit dem Schiffsarzt organisiert er den täglichen Ablauf des Dienstbetriebes im Abschnitt. Das betrifft sowohl die Einteilung des übrigen San Personals für die tägliche Sprechstunde, die Organisation von Impfaktionen und Reihenuntersuchungen, als auch die Materialbewirtschaftung und Pflege.
Der Unteroffizier im Abschnitt, der San Maat, ist ebenfalls wie der San Meister als Rettungssanitäter, Taucherarztgehilfe und OP- Instrumenteur ausgebildet. In sein Aufgabenbereich fällt die Dienstaufsicht der San Gasten. Auf längeren Touren wird zusätzlich ein Zahnarzt aus dem landgebundenen Sanitätsdienst mit seinem Behandlungsmaterial eingeschifft.


Das Medical Team auf Kreta während der SNFL 2002

Wie allen Soldaten steht den Besatzungsmitgliedern eine unentgeltliche truppenärztliche Versorgung zu. Unter anderem wird diese mit über 400 verschiedenen handelsüblichen Medikamenten und Verbandstoffen sichergestellt. Nach Vorgaben des Admiralarztes der Marine muß der Sanitätsdienst an Bord in der Lage sein, die Soldaten in derselben Qualität zu versorgen, wie es der landgebundene Sanitätsdienst in der Heimat tun könnte. Hierfür stehen an Bord des Zerstörers folgende Geräte und Instrumente zur Verfügung:


Der Behandlungsraum der LÜTJENS

Zur Notfallversorgung:

  • Beatmungsgerät Oxylog

  • Defibrillator Zoll Siemens

  • Notfallrucksack mit Pulsoxymeter, Intubationsmaterial, Beatmungsbeutel, Infusionen, Schienungsmaterial und Ampullarium…

  • Sauerstoff- Inhaliergerät 

Zur Diagnostik:

  • Multifunktions OP- Tisch

  • Röntgengerät BV 25 mit Bildbetrachtungseinheit

  • Laborgerät Reflotron

  • Zentrifuge für Blutproben

  • Othoskop, Stethoskop, Blutdruckmeßgeräte

  • Trinkwasseruntersuchungsausstattung und Brutschrank

  • EKG-Gerät AT 10

  • Rodenstock Sehtestgerät

Zur OP:

  • Chirurgisches Instrumentarium

  • Sterilisator Webeco A35

  • Narkose- Kreisteil 

  • Elektro- Chirurgie- Gerät

  • mobile Absaugeinrichtung

  • Patientenüberwachungsgerät Propaq

  • Dreifach- Infusions- Spritzenpumpe

Zur Pflege:

  • Krankenstation mit vier Krankenkojen

  • Inhalationsgerät Piccolo

  • Diverse Patienten- Lagerungs- Hilfsmittel


Im Fall einer Gefechtsübung oder der Rolle „Feuer im Schiff“ verlegt das San- Personal auf die beiden ausgelagerten Verbandplätze, die sich sowohl in der Cafeteria (SLVP), als auch in der Offiziermesse (VP) befinden. 
Mit der Hilfe der „Helfer im Sanitätsdienst“ kann hier einem Massenanfall von Verletzten erfolgreich begegnet werden. Die ständige Aus- und Weiterbildung aller Besatzungsmitglieder, insbesondere der Sanitätshelfer, ist eine der Hauptaufgaben des Sanitäts-Teams. 
Die Zuteilung der jeweiligen Patienten in die betreffenden Verbandplätze erfolgt nach der Schwere der Verletzungen und dem Unfallort.
Auf dem SLVP leitet der Schiffsarzt, vom San Maaten unterstützt, die Versorgung der Verletzten und führt die Triage durch, mit deren Hilfe die Patienten in Kategorien ihrer Verletzungsschwere eingeteilt werden. 
Ihnen zur Seite stehen zehn Helfer im San Dienst.
Ähnlich sieht das auf dem vorderen Verbandplatz (VP) in der Offiziermesse aus. Hier führt der San Meister die Behandlung der Verletzten mit den beiden San Gasten und vier Helfern im San Dienst durch. Hierbei steht die schnellstmögliche Stabilisierung der Vitalfunktionen im Vordergrund. 
Alles in Allem kann man aber zurückblickend sagen, daß die Lütjens, außer einer Appendektomie („Blinddarm“-OP), zum Glück von spektakulären medizinischen Eingriffen und Unfällen verschont geblieben war. 
Vielmehr lag das Haupttätigkeitsfeld des Sanitätspersonals im Hafen in der Durchführung von Weiterverpflichtungs-, Bordverwendungsfähigkeits- und arbeitsmedizinischen Untersuchungen. Dazu kommt die Überwachung der Küchen- und Trinkwasserhygiene genauso, wie die Kostenabwicklung und Terminabsprache mit militärischen und zivilen Krankenanstalten, bzw. Rettungsdiensten.
Deutlich interessanter gestaltet sich der Dienst in See.
Waren im Hafen noch zivile und militärische Fachärzte in greifbarer Nähe, so lernt man doch sehr schnell, was es heißt, eine auf sich allein gestellte „Eier legende Woll-Milch-Sau“ zu sein. 
Während längeren Seefahrten bleibt es nämlich nicht bei der berühmten Kombination von Husten, Schnupfen und Heiserkeit.
Verbrennungen, Zerrungen, Frakturen, Zahnschmerzen, Platzwunden, Abszesse und Quetschungen wollen genauso behandelt werden, wie in der Heimat. Bei Tag und bei Nacht.

Ebenfalls sehr häufig an Bord von Schiffen anzutreffende Erkrankungen sind - nein, nicht, wie viele Landratten glauben, die Geschlechtskrankheiten, sondern alle Formen der weit verbreiteten Seekrankheit. Sie ist wahrscheinlich die Krankheit, die dienstgradunabhängig, Jung und Alt in ihrem Leiden am meisten verbindet.
So kam es auch auf der letzten Fahrt der Lütjens, daß selbst der Schiffstechnikoffizier (STO) den Resten des Mittagessens eines eingeschifften Gastes nicht mehr schnell genug ausweichen konnte. (Dabei wollte er diesem Gast doch nur eine Tüte reichen…) Schnell konnte dem leidenden Besucher medikamentös geholfen werden, um zu verhindern, daß derartige Unfälle noch einmal vorkommen.

Seit 35 Jahren ist nun das Team des Sanitätsdienstes an Bord der Lütjens bemüht, kleinere und größere Leiden schnell zu beheben oder zu lindern. 
Seit 2001 getreu dem Motto:


„Medical Team“ Zerstörer Lütjens – Best care… anywhere.


Na, wer da kein Vertrauen gewinnt… Steam Past SNFL 2002

J. Kuschny, 
Hauptbootsmann u. San Meister